Wissen · Amazon
Amazon und eigener Shop: Konkurrenz oder Doppelpack?
Viele Händler fragen sich, ob Amazon dem eigenen Shop die Kunden wegnimmt. Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, welche Rolle du jedem Kanal gibst.
Ausgangslage
Zwei Kanäle, zwei Logiken
Amazon ist für viele Menschen der erste Ort, an dem sie nach einem Produkt suchen. Wer dort nicht auftaucht, wird von einem Teil der Käufer gar nicht wahrgenommen. Gleichzeitig ist Amazon ein fremder Marktplatz: Du verkaufst dort zu den Regeln eines anderen, neben Wettbewerbern, die nur einen Klick entfernt sind.
Der eigene Shop funktioniert anders. Dort bestimmst du Auftritt, Sortiment, Preise und Kommunikation. Dafür musst du die Besucher selbst gewinnen, über Suchmaschinen, Werbung, Social Media oder Stammkunden.
Die Frage ist deshalb selten, ob du das eine oder das andere machen solltest. Sie lautet eher: Welche Aufgabe übernimmt welcher Kanal, und wie verhinderst du, dass sie sich gegenseitig schaden?
Rollen
Was jeder Kanal leisten kann
Amazon
- Große, bereits vorhandene Nachfrage
- Hohes Vertrauen der Käufer in Bezahlung und Versand
- Gut für Erstkäufe und Produktsuche
- Wenig Einfluss auf Darstellung und Kundenbeziehung
Eigener Shop
- Volle Kontrolle über Marke und Auftritt
- Direkter Kontakt zu Kunden
- Gut für Wiederkäufe, Beratung und erklärungsbedürftige Produkte
- Besucher müssen selbst gewonnen werden
Für viele Marken ergibt sich daraus eine sinnvolle Arbeitsteilung. Amazon dient als Schaufenster für Neukunden, die gezielt nach einem Produkt suchen. Der eigene Shop ist der Ort für Stammkunden, das komplette Sortiment, Zubehör, Sets und alles, was Beratung braucht. Beide Kanäle arbeiten getrennt, stärken aber dieselbe Marke.
Zahlen
Marge ehrlich vergleichen
Auf den ersten Blick wirkt der eigene Shop margenstärker, weil keine Verkaufsgebühren an Amazon fließen. Ganz so einfach ist es nicht. Beide Kanäle haben Kosten, nur an unterschiedlichen Stellen.
Kosten auf Amazon
Als Verkäufer zahlst du je nach Verkäufertarif eine monatliche Gebühr oder Gebühren pro verkauftem Artikel, dazu eine Verkaufsgebühr, deren Höhe von der Produktkategorie abhängt. Nutzt du den Versand durch Amazon, kommen Gebühren für Lagerung und Versand hinzu. Viele Händler schalten außerdem Werbung auf Amazon, damit ihre Produkte sichtbar bleiben. Die genauen Sätze veröffentlicht Amazon in Seller Central, und sie ändern sich regelmäßig.
Kosten im eigenen Shop
Hier zahlst du für das Shopsystem, Zahlungsanbieter, Versand und Verpackung. Der größte Posten ist oft aber die Gewinnung von Besuchern: Werbung, Suchmaschinenoptimierung, Inhalte und E-Mail-Marketing. Ein Shop ohne Besucher hat zwar keine Verkaufsgebühren, aber eben auch keine Verkäufe.
Rechne deshalb pro Produkt und pro Kanal, was nach allen Kosten tatsächlich übrig bleibt. Erst dann siehst du, ob ein Produkt auf Amazon trägt, ob es sich als Einstieg lohnt oder ob es besser nur im eigenen Shop angeboten wird.
- Einkaufspreis und Verpackung pro Artikel
- Verkaufsgebühr der Kategorie und ggf. Versandgebühren auf Amazon
- Werbekosten pro Verkauf in beiden Kanälen
- Kosten für Retouren und beschädigte Ware
- Zahlungsgebühren und Shopsystem im eigenen Shop
- Anteilige Kosten für Pflege, Inhalte und Kundenservice
Kundenbeziehung
Wem gehören die Kundendaten?
Das ist einer der wichtigsten Unterschiede. Auf Amazon ist der Käufer in erster Linie Kunde von Amazon. Du bekommst die Daten, die du für die Abwicklung der Bestellung brauchst, darfst sie aber nicht für eigenes Marketing nutzen. Die Kommunikation mit Käufern läuft über das Nachrichtensystem von Amazon und ist auf bestellbezogene Anliegen beschränkt. Werbung für deinen eigenen Shop in Paketbeilagen oder Nachrichten verbieten die Richtlinien von Amazon.
Im eigenen Shop sieht das anders aus. Mit Einwilligung kannst du Kunden per Newsletter informieren, ihnen passende Produkte empfehlen und eine Beziehung aufbauen, die über einen einzelnen Kauf hinausgeht. Dieser direkte Draht ist auf Dauer oft mehr wert als der einzelne Umsatz.
Was trotzdem erlaubt ist
Eine starke, wiedererkennbare Marke wirkt auch ohne Werbebeilage. Wer dein Produkt auf Amazon kauft und zufrieden ist, sucht beim nächsten Mal vielleicht direkt nach deinem Markennamen. Wenn er dann deinen eigenen Shop findet, gut gemacht und mit dem vollen Sortiment, hast du den Kontakt fair gewonnen.
Absicherung
Markenschutz auf Amazon
Auf Amazon kann grundsätzlich jeder Händler ein bestehendes Produkt anbieten. Das betrifft auch deine eigenen Produkte. Ohne Schutz können andere Händler deine Angebote mitnutzen, Produktdaten verändern oder dich im Preis unterbieten.
Die Amazon-Markenregistrierung, im Original Brand Registry, gibt Markeninhabern mehr Kontrolle über ihre Produktseiten, erweiterte Gestaltungsmöglichkeiten und Werkzeuge, um Verstöße zu melden. Voraussetzung ist eine Marke, die bei einem von Amazon anerkannten Markenamt eingetragen oder je nach Weg angemeldet ist, etwa beim Deutschen Patent- und Markenamt oder beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum. Die Registrierung bei Amazon selbst kostet nichts, die Markenanmeldung beim Amt dagegen schon.
Kümmere dich um die Marke deshalb früh, idealerweise bevor du auf Amazon startest. Für die Markenanmeldung selbst lohnt sich eine Beratung durch eine Fachkanzlei, denn hier geht es um Rechtsfragen, die über Amazon hinausreichen.
Einstieg
In welcher Reihenfolge?
Eine allgemeingültige Reihenfolge gibt es nicht. Es hängt davon ab, was du verkaufst und wo du stehst. Ein paar Muster haben sich aber bewährt.
Grundlagen schaffen
Marke anmelden, saubere Produktdaten mit guten Bildern und Texten anlegen und die Marge pro Produkt und Kanal kennen.
Hauptkanal wählen
Ist dein Produkt eines, nach dem gezielt gesucht wird, kann Amazon ein schneller Einstieg sein. Ist es erklärungsbedürftig oder lebt von der Marke, starte eher mit dem eigenen Shop.
Zweiten Kanal ergänzen
Sobald der erste Kanal stabil läuft, nimm den zweiten dazu. Mit klarer Aufgabe und einem bewusst gewählten Sortiment.
Abläufe verbinden
Bestände, Bestellungen und Versand zentral steuern, damit nichts doppelt verkauft wird und der Aufwand nicht mit jedem Kanal wächst.
Gerade der letzte Schritt wird oft unterschätzt. Sobald zwei Kanäle auf dasselbe Lager zugreifen, braucht es einen verlässlichen Abgleich. Wie das aussehen kann, beschreibe ich im Artikel Schnittstellen zwischen Shop und Warenwirtschaft.
Zusammengefasst
Konkurrenz oder Doppelpack?
Amazon und der eigene Shop werden dann zur Konkurrenz, wenn beide dasselbe zum selben Preis für dieselben Kunden anbieten und niemand eine klare Strategie hat. Sie werden zum Doppelpack, wenn jeder Kanal eine eigene Aufgabe hat, die Zahlen stimmen und die Marke in beiden Kanälen gleich auftritt.
Wenn du gerade überlegst, wie das bei dir aussehen kann, findest du unter Amazon und Marktplätze mehr zu meiner Beratung. Für den eigenen Shop lohnt ein Blick auf Onlineshops.
Häufige Fragen
Darf ich auf Amazon günstiger oder teurer sein als im eigenen Shop?
Du legst deine Preise grundsätzlich selbst fest. Viele Händler kalkulieren auf Amazon wegen der Gebühren etwas anders. Bedenke aber, dass Amazon Angebote abwerten kann, die anderswo deutlich günstiger zu haben sind. Prüf die aktuellen Richtlinien zur fairen Preisgestaltung in Seller Central.
Kann ich Amazon-Kunden in meinen eigenen Shop holen?
Nicht über gezielte Werbung in Paketen oder Nachrichten, das verbieten die Richtlinien. Fair gewinnst du sie über eine starke Marke, gute Produkte und einen eigenen Shop, der bei der Suche nach deinem Markennamen gut auffindbar ist.
Brauche ich für Amazon unbedingt eine eingetragene Marke?
Zum Verkaufen nicht. Für die Markenregistrierung bei Amazon und den damit verbundenen Schutz deiner Produktseiten ist eine eingetragene oder angemeldete Marke aber Voraussetzung. Wer eigene Produkte verkauft, sollte das früh angehen.
Lohnt sich Amazon auch für kleine Marken?
Oft ja, gerade als Weg zu Kunden, die dich sonst nicht finden würden. Entscheidend ist, dass die Marge nach allen Gebühren stimmt und du den Aufwand für Pflege, Werbung und Kundenservice realistisch einplanst.

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